Der großartige Naryn

Nach dem großen und dem kleinen Naryn, der stellenweise auch ganz schön groß werden kann, gibts den großartigen Naryn. Am Weg zum Einstieg kommen wir in Naryn vorbei. Hier endet die Welt. Schauriger kann ein Ort kaum sein. Die Straßen sind nur teilweise asphaltiert, der Markt auf dem wir uns eindecken ist irgendwo die Straße rechts runter und dann wieder links. Gleich daneben der kyrg Hornbach, so alles für dein Projekt. Der Müllmann führt fasst brennenden Mist auf einer Riesenschubkarre mal hinter die Mauer zur öffentlichen Badeanstalt. Kühe und Hunde durchwühlen den halbverbrannten Dreck. Die Luft ist zum Kotzen.


Wir gehen wie viele sich zur Feier des Tages mal waschen. Es ist ja Sonntag. In der Eingangshalle ist es blitzsauber. Über den Köpfen rennt der Fernseher mit einem russisch synchronisierten US Film. In der Umkleide hast ein Kastl und entledigst dich deines verstaubten Gewandes. Pudelnackert mit Handtusch, Seife und Schaffel gehen die Kirgisen in den Waschraum. Ich verzichte auf das Lawur und nutze unüblich für die Verhältnisse hier eine der zwei Duschen, denn sonst sitzt man so am Rand, füllt das Lawur mit Wasser und seift sich ein, oder reibt seinem Vater den Rücken ab, oder schruppt ihm die Hornhaut von den Füßen. Ich hab meine Schlapfen vergessen.

Hinten links ist eine Tür. Dahinter ein Dampfbad für Hartgesottene, es ist echt was los und ich steh da dicht an dicht im Halbdunkel. Neben mir schlägt der eine mit einem Bündel Eichenblätter auf den anderen ein und es scheint fast so, dass das gut ankommt. ich halt mich da fern. Das Dampfbad und das Duschen tut nach einer Woche Kälte, Hitze, Staub und Fluss gut.

Die Straße beim Einstieg zum Fluss endet an einer desolaten Brücke, bald nur noch Teil der Schotterebene, die vom Naryn gebildet wird. Gesäumt wird das breite Flussbett von unglaublichen Farben, Formen und Schattierungen umliegender Berge. Ein Naturschauspiel, dem anderswo ein Nationalpark gewidmet werden würde. Ebenso der Fluss, der sich durch mächtige Schotterbänke Richtung Berge schneidet. Dort angekommen zwängt sich der Naryn durch eine gigantische Klamm, die sich in ihrer Kulisse leicht mit den großartigsten Schluchten dieser Welt messen kann. Nur die wenigsten und ich dürfen an diesem Schauspiel teilhaben. Wir machen heute ca. 60km im Boot, jeder Paddelschlag war es das wert.

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